00:00:08: Ja, hallo.
00:00:09: Herzlich willkommen bei.
00:00:11: Gehe wie Gott suche.
00:00:13: Auf der Suche nach Gott in der Bibel und in der Welt.
00:00:16: ein frohes neues Jahr mit Segen und Glück für dich.
00:00:23: Heute inspiriert von dem katholischen Priester und Theologen Orinauen.
00:00:32: Ich weiß nicht, ob du von ihm schon mal gehört hast.
00:00:34: Er lebte im vergangenen Jahrhundert.
00:00:37: Das war neunzehntundunddreißig bis neunzehntsechsundneunzig.
00:00:42: Und das besondere an Orinauern ist zunächst, dass er ein ausgesprochen erfolgreicher Professor für Theologie war.
00:00:51: Also er war erst Priester, hat katholische Theologie studiert und hat es dann geschafft durch sein Psychologiestudium Professor an der Yale-Universität in den USA zu werden und an der Harvard-Universität.
00:01:07: Das war damals wirklich so die Champions League für Professorinnen und Professoren.
00:01:15: Höher konnte man nicht kommen und er galt als ein besonders beliebter Professor bei den Studentinnen und Studenten.
00:01:24: und machte viele Vortragsreisen, veröffentlichte viele Bücher.
00:01:28: Also er war wirklich ein Mann, den die Leute gerne hörten.
00:01:34: Und das alles machte er, bis er so Mitte fünftig war, dreiundfünfzig.
00:01:40: Und dann passierte was Besonderes.
00:01:42: Und zwar begegnete er in Frankreich in der Arche einer Gemeinschaft von Menschen, Mit und ohne Behinderung, mit und ohne Einschränkung, mit und ohne Assistenzbedarf.
00:01:56: Wollte ich muss sagen, ich finde diese Worte alle so unzureichend, weil jeder von uns hat Einschränkungen, jeder von uns hat Assistenzbedarf in irgendeiner Hinsicht und jeder von uns hat irgendeine Art von Behinderung.
00:02:11: Okay, aber ich vermute, du weißt, was ich sagen will.
00:02:15: Also eine inklusive Gemeinschaft von Menschen mit mehr oder weniger Hilfe bedarf.
00:02:21: Und da sah er das Bild von Rembrandt, die Wiederkehr des verlorenen Sohnes.
00:02:31: Ich muss jetzt gerade zugeben, dass ich nicht genau weiß, wann Rembrandt dieses Bild gemalt hat.
00:02:36: Ich weiß nur, er war kurz vor seinem Tod.
00:02:40: Und dieses Bild zeigte eine Szene aus der Geschichte, die Jesus als Gleichnis im neuen Testament erzählt.
00:02:51: Ich vermute, du hast sie schon mal gehört.
00:02:53: Wenn nicht, dann ließ sie auf jeden Fall bitte nach in Lukas XV, im Lukas Evangelium, im neuen Testament.
00:03:02: Ich fasse sie kurz zusammen.
00:03:04: Ein Vater hat zwei Söhne und der Jüngere von den beiden Söhnen sagt, Vater, gib mir mein Erbe.
00:03:12: Das ist... extrem verachtend von dem jüngeren Sohn, weil normalerweise wird ja das Erbe, das war damals so, das ist heute auch so, nach dem Tod eines Menschen ausgezahlt.
00:03:26: Und wenn man das also damals vor dem Tod eines Menschen haben wollte, sagte man im Grunde, es ist mir egal, ob du lebst oder nicht, ich will halt das, was mir zusteht.
00:03:37: Und es bedeutete auch, dass der jüngere Sohn ... der jetzt damit also aufbrechen wollte ins Leben, ... ... dem Vater ja das Wegnamen, ... ... was er zum Leben brauchte.
00:03:50: Also ... ... Erbe hieß damals Landbesitz, er hat also ... ... das Land bekommen, ist zu Geld gemacht, ... ... dann war das Land weg ... ... und das ist so wie wenn du zu dem Vater sagen würdest so ... ... am Heutzutage ... ... du hast keine Rentenversicherung mehr, ... ... du hast keine Krankenversicherung mehr ... ... und deine Miete kannst du auch nicht zahlen, ... halt obdachlos.
00:04:13: Also so, das war wirklich schwierig.
00:04:16: Der ältere Sohn bleibt zu Hause, er tut genau das Richtige.
00:04:20: Er achtet das vierte Gebot, ihre Vater und Mutter, was ja bedeutet, sei im Alter für sie da, wenn sie dich brauchen.
00:04:27: Und das war damals lebensnotwendig für die Eltern.
00:04:31: Wie gesagt, keine Sozialsysteme.
00:04:34: Gut, also der jüngere Sohn nimmt das ganze Geld, geht ins Ausland, Verjubelt alles und da steht wörtlich mit Huren und mit Saufen.
00:04:45: Dann hat er gar nichts mehr, kommt eine Hungersnot und er ist total am Boden.
00:04:49: Er darf nicht mehr mehr das Schweinefutter essen von den Schweinen, die er hütet, um irgendwie über die Runden zu kommen.
00:04:57: Dann kommt der Augenblick, wo er sagt, ich kehre doch einfach zurück zu meinem Vater.
00:05:03: Er hat viele Sklavinnen und Sklaven und die haben mehr als ich.
00:05:07: Ein Dach über dem Kopf, die haben etwas zu essen, zu trinken, eine geregelte Arbeit.
00:05:15: Warum haben sie das?
00:05:16: Weil der ältere Sohn da geblieben ist und sein Erbe nicht verjubelt hat.
00:05:20: Okay.
00:05:22: Also, der jüngere Sohn kommt zurück und der Vater, sagt die Geschichte, sieht ihn schon von weitem kommen, läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals, und der ist ja nicht naiv, der hat genau gesehen, was los ist, küsst ihn und ruft, wir müssen das groß, wir müssen das größte Fest feiern, dass es gibt.
00:05:45: Mein Sohn hier war tot und ist wieder lebendig, er war verloren und ist wieder gefunden worden.
00:05:50: So dann feiern sie also dieses große Fest, der Sohn bekommt ein Festgewand angezogen, bekommt Sandalen an die Füße und ein Ring an den Finger, also und sie schlachten das gemästete Kalb, was so viel bedeutet, wie heute, stellt ihr so eine riesen Hochzeit vor, die mehrere Zehntausend Euro kostet.
00:06:13: Ungefähr so ein festes Gemeint.
00:06:17: Der ältere Sohn bekommt das mit ohne eingeladen worden zu sein und fragt seine Sklaven, Sklavenen, was ist denn da los?
00:06:25: Dann erzählen die ihm das?
00:06:27: Und dann ist er voller Vorwurf.
00:06:29: Also ich war die ganze Zeit bei mir, du hast nie für mich ein Fest ausgerichtet.
00:06:35: Und dann sagt der Vater zu ihm, komm doch und feier mit uns, denn dieser unser Sohn, dein Bruder, war tot, ist wieder lebendig, er war verloren, ist wiedergefunden worden.
00:06:50: Das ist die Geschichte.
00:06:51: Und du siehst ja im Titelbild das Bild von Rembrandt.
00:06:57: Und wenn man das Bild anguckt, dann fällt der Blick ja sofort auf den Vater und den wiederkehrenden Sohn.
00:07:09: Dieses Bild hing in der Arche, in Frankreich, als Henri Nouen da zu Gast war und dieses Bild hat sein Leben verändert.
00:07:19: Was ist passiert?
00:07:21: Henri Nouen hat seine Professur in Harvard gekündigt.
00:07:30: Das war natürlich ein langer Prozess für ihn, aber man kündigte auch damals keine Professuren in so einer angesehenen Stellung.
00:07:40: Das war praktisch so alles wegwerfen, was man sich ein Leben lange arbeitet hat.
00:07:50: Also stell dir vor, du hast ein Haus gebaut und dann zündest du es an.
00:07:54: und lebst fortan in der kleinen Hütte.
00:07:57: So ungefähr musst du dir das vorstellen.
00:07:59: So.
00:08:00: Orinauen, der wurde fortan Pastor in der Arche und Pfleger und zwar in einem Ableger in Kanada.
00:08:10: und er sagte, dass er dort von den Menschen, die dort leben, lebt haben und die größtenteils widersprechen, schreiben, noch lesen konnten, dass er mehr über Gott gelernt hat von ihnen als durch alle Bücher davor, dass ein Lächeln von seinen Mitmenschen dort ihm mehr über Gott erzählt hat, als alle theologischen Systeme, mit denen er sich bis dahin beschäftigt hatte.
00:08:43: Als er dieses Bild betrachtete, und er hat es zeitlebens betrachtete, Henri Nouen, hat er sich zunächst mit dem wiederkehrenden Sohn befasst.
00:08:52: Er hatte nämlich den Eindruck, er sei vorher einer von den Beistehenden gewesen.
00:08:57: Da sind so ein paar Leute im Hintergrund, einer, der so ein bisschen die Arme verschränkt hat und sitzt, ein anderer lehnt an der Säule und guckt so unbeteiligt.
00:09:06: und im Hintergrund ist noch eine Frau zu sehen, die auch eher so unbeteiligt zuguckt.
00:09:12: und er hat sich immer als so unbeteiligten Menschen erlebt, der immer über den Glauben spricht, aber nicht im Glauben ist.
00:09:23: Und fortan fühlte er, er ist der wiederkehrende Sohn.
00:09:28: Da war seine Aufmerksamkeit, da fällt das Licht im Bild als erstes hin.
00:09:33: Aber dann haben Freundinnen und Freunde ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er aus ihrer Sicht eher dem Zuhause gebliebenen Sohn entspricht, auf den fällt ja auch Licht in dem Bild.
00:09:47: Der guckt sehr ernst von oben herab auf diese Szene, hat die Arme so verschränkt vor dem Bauch, hat die Insignien der Macht, wie der Vater, roter Mantel, langer Bart, auch noch eine Mütze auf dem Kopf, Schuhe an den Füßen, also reich gekleidet.
00:10:05: Und ... Nauen merkte in all seinem Neid, in all seiner Missgunst anderen Menschen gegenüber ist der Vater auch für ihn da, sowie der Vater in der Geschichte, den älteren Sohn auch einlädt.
00:10:22: Und dann, dann macht Nauen zwei Entdeckungen, die sind für mich neu gewesen und die finde ich wirklich sehr reizvoll.
00:10:31: Einmal, dass er sagt, wenn Jesus sagt, werdet beim Herzig, so wie euer Vater im Himmel beim Herzig ist, dass wir als Sohn in diesem Bild erwachsen werden sollen, um der Vater zu werden.
00:10:47: Ein vergebender, barmherziger Vater, eine vergebende, barmherzige Mutter.
00:10:53: Wenn du auf das Bild schaust, die beiden Hände des Vaters auf dem Rücken des wiederkehrenden Sohnes, Eine ist eher zart und sanft gemalt, eine eher zupackend und kraftvoll.
00:11:06: Also zwei Seiten von Gott, von diesem Vater in der Geschichte.
00:11:14: Zweite Entdeckung ist von Aurinaun, dass er glaubt, der widerkehrende Sohn ist Jesus Christus selbst.
00:11:23: Wie ist das gemeint?
00:11:25: Jesus Christus hat die Seiten gewechselt.
00:11:27: Er war Gott und wurde Mensch.
00:11:29: Er war im Himmel und kam auf die Erde.
00:11:31: Er war oben und wurde ein Knecht.
00:11:36: Lebte unser Leben und die Wiederkehr ist im Grunde dann seine Auferstehung von den Toten durch das Kreuzeln durch zum Vater hin.
00:11:48: Und genau diesen Weg ist doch Orinauin auch gegangen.
00:11:51: Er hat auch die Seiten gewechselt.
00:11:55: Im wahrsten Sinne des Wortes herunter vom Katheder, wo er von oben herab zu den Menschen sprach, hin in die Glaubensgemeinschaft der Arche, hin zu den Menschen, hin in den Glauben selber, in den Glauben der Kirche.
00:12:12: Und meine Frage an dich und an uns für das neue Jahr ist, wie könnte ein Seitenwechsel für dich aussehen?
00:12:21: Also welche Seiten müsstest du wechseln, um... einen anderen Blick auf diese Welt zu bekommen.
00:12:29: Also, wie wäre es, wenn wir einen Tag lang und eine Nacht lang draußen leben müssten, irgendwie klarkommen müssten, ich vermute, unser Blick auf Menschen ohne Obdach würde sich verändern.
00:12:45: Wahrscheinlich radikal verändern.
00:12:48: Oder wie wäre es, wenn du einen Tag mitlebtest in einer Familie, deren Kind drogenabhängig ist.
00:12:56: Es könnte sein, dass sich unser Blick auf Menschen, die süchtig sind, dadurch krass verändern könnte.
00:13:06: Und was mir dabei sehr auf dem Herzen liegt, ist, dass es nicht so ganz klar ist, ob die Drogenberatung und die Unterstützung für Menschen ohne Obdach in Norderstedt ... ohne Probleme weiter finanziert werden kann.
00:13:27: Also ... ... das ist mein Neujahrsaufruf.
00:13:32: Lasst uns gucken, dass die Tagesaufenthaltsstätte für Menschen ohne Obdach ... ... weiter gut funktionieren kann.
00:13:41: Spenden, Spenden, Spenden findet ihr alles im Internet.
00:13:44: Ich schick's auch noch mal in die Show Notes.
00:13:47: und dass die ... kostenfreie Drogenberatung in unserer Stadt weiter funktionieren kann.
00:13:52: Denn wenn diese Anlaufstellen nicht mehr da sind, nicht mehr da wären, wo können die Leute da noch hin?
00:14:02: Und was ich auch noch fürs neue Jahr einen guten Vorsatz fände ist, wir haben mir jetzt das Bildungshaus von Nordrstedt bald diesen Raum zu nutzen, dass wir Menschen von der anderen Seite dieses Lebenskennel haben, die nicht zu unserem Milieu gehören, nicht in unserer Gehaltsklasse, nicht mit unserem kulturellen Hintergrund, die andere Musik hören, die andere Hobbys haben, die andere Parteien wählen, um miteinander zu reden.
00:14:37: Nur das.
00:14:40: Das wäre dann unser Beitrag zum Frieden.
00:14:44: Ja, also ich wünsche dir, dass dich dieses Bild von Rembrandt, die Wiederkehr des verlorenen Sohnes, auch begleiten möge, wie sie Orinauen begleitet hat, wie es Orinauen begleitet hat und wie dieses Bild im Moment auch mich begleitet.
00:15:01: Ich wünsche dir ein gesegnetes und gutes neues Jahr und interessante reizvolle Seitenwechsel.
00:15:10: Das war Geh wie Gott suche.
00:15:12: Auf der Suche nach Gott in der Bibel und in der Welt erster Ausgabe.
00:15:20: Bis zum nächsten Mal.
00:15:20: Tschüss.