00:00:11: Hallo, herzlich willkommen bei Gehe wie Gott suche.
00:00:14: Auf der Suche nach Gott in der Bibel und Ende.
00:00:18: Heute will ich euch aufmerksam machen, auf eine Ausstellung in der Christuskirche in Norderstedt mit Bildern von Andrea Manor-Dulchies.
00:00:30: Das sind sehr bemerkenswerte Bilder, wie ich finde.
00:00:36: Und zwar ... hat Andrea Manuel Dulkis mit dem Malen angefangen vor zwei Jahren in einer schweren persönlichen Krise.
00:00:48: Sie erzählt selber, dass ihre Eltern gestorben waren und dass sie eine schwere Krankheit bekommen hat, nämlich, dass ihr Augenlicht immer weniger wird.
00:00:58: Und in dieser Zeit hat sie angefangen, sehr lebensfrohe, sehr bunte, sehr helle auch.
00:01:08: kämpferische Bilder zu malen, auch wilde Bilder, jedenfalls Bilder voller Leben.
00:01:14: Und ich finde das richtig ermutigend, wenn jemand wie Frau Dulkis in der schwierigen Zeit so eine Kraft findet, sich auszudrücken und sich dem Leben zuzuwenden.
00:01:32: Mich erinnert das ganz doll an den Apostel Paulus und überhaupt an die gesamte Bibel, weil in der Bibel ist es ja immer so, bei Gott ist immer alles umgekehrt.
00:01:47: Also wir wollen reich werden, er wird in Jesus Christus arm.
00:01:53: Wir wollen erfolgreich sein, er geht in Jesus Christus ans Kreuz.
00:02:00: Wir wollen dazugehören zu den... beliebten Leuten, da geht es zu denen, die verachtet sind.
00:02:09: Also bei Gottes ist alles immer genau umgekehrt und der Apostel Paulus, der bringt das so wunderbar auf den Punkt, der sagt immer so Sätze wie Gottes Kraft vollendet sich in der Schwachheit.
00:02:23: Also wo ich schwach bin, bin ich stark.
00:02:28: Ich habe das mal erlebt vor vielen, vielen Jahren in einer Ausbildungsgruppe für Seelsorge.
00:02:35: Da hat jemand gesagt, ich habe in meinem Leben so viel Schwieriges erlebt.
00:02:41: Und das war wirklich keine leichte Kindheit.
00:02:43: Und jetzt, wo ich Seelsorger werde, weiß ich endlich, warum ich diese ganzen schwierigen Dinge erlebt habe.
00:02:50: Jetzt macht das Ganze einen Sinn, weil jetzt kann ich für Menschen da sein, die was Ähnliches erlebt haben, weil ich bin der Fachmann in den Problematiken, die sie beschäftigen.
00:03:06: Da ging mir natürlich das Herz auf und das ist so richtig Paulinisch, wo ich schwach bin, da bin ich stark.
00:03:13: Also ich sage es einmal auf dem Punkt, bei Gott wird aus Scheiße Gold.
00:03:22: Das finde ich an unserem Glauben so wunderbar.
00:03:26: Bei Paulus kannst du das an so vielen Stellen lesen.
00:03:30: Er schreibt, wir sind traurig und zugleich alle zeitfröhlich.
00:03:35: Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht.
00:03:40: Wir sind in großer Not, aber wir verzweifeln nicht.
00:03:44: Wir tragen das Sterben Jesu an unserem Leib und wir werden auch das Leben Jesu an unserem Leib tragen.
00:03:52: Ja, also das finde ich einfach total schön.
00:03:58: Und von Frau Durkis habe ich jetzt ein Bild für den Podcast heute ausgesucht.
00:04:04: Das ist im Titelplatz zu sehen, also auf der Titelseite des Podcasts.
00:04:10: Da siehst du einen Bild mit mehreren Figuren und die sind auf einem hellen Hintergrund gemalt und da ist aber so ein bisschen braun eingefärbt.
00:04:21: und auf der linken Seite stehen sechs Figuren, die schauen offenbar nach rechts und da steht eine andere Figur mit einer Figur dahinter.
00:04:30: und in der Mitte, ich bin mir nicht sicher ob Frau Durkis das wollte, ist ein Fisch zu sehen, irgendwie so in der Mitte oben.
00:04:38: sieht man erst beim dritten hingucken.
00:04:41: also der fisch ist ja unser christliches symbol neben dem kreuz.
00:04:47: das altgriechische wort für fisch heißt ich tüs und ich tüs.
00:04:52: die anfangsbuchstaben von ich tüs also ich tüs und stehen für jesus christos teos und dann heos Teu hios soter.
00:05:08: Entschuldigung.
00:05:10: Es ist schon länger hier, dass ich altgriechisch mich mit beschäftigt habe.
00:05:14: Also die Übersetzung ist Jesus Christus Gottes Sohn unser Retter.
00:05:23: Und wie zeigt sich das in den Evangelien in der Geschichte Jesu?
00:05:27: Jesus geht immer zu denen hin, die von den anderen verachtet wurden.
00:05:33: Zwischen wo zwischen denen und den Verachteten ein tiefer Graben war, so wie auf dem Bild ein großer Abstand.
00:05:41: Und so viele Geschichten zeigen das, dass er sich den Armen und Kranken zuwendet, um die sich keiner mehr gekümmert hat und denen, die als Sünderin und Sünder gehalten.
00:05:54: Es gibt diese eine wundervolle Geschichte, die will ich einmal zusammenfassen, aber du musst sie eigentlich im Original, also in der Übersetzung lesen, Lukas sieben ist das.
00:06:07: Da steht immer drüber, Jesus wird von einer Sünderin gesiebt.
00:06:11: Was ist passiert?
00:06:13: Jesus ist zu Gast im Hause eines Pharisäers, namens Simon und Pharisäer.
00:06:22: Das waren sehr angesehene ehrenamtliche jüdische Gelehrte, die waren meistens so Handwerker im Mittelstand, hatten eigenes Geschäft, fleißige Leute und haben in ihrer Freizeit die Bibel auswendig gelernt, das alte Testament, also unser altes Testament.
00:06:47: Und im Judentum ist das der Tanach, also Toran, Növiim, Chrithowim, die fünf Büchermose, die Propheten und die übrigen Schriften.
00:06:55: Das kannten die richtig gut.
00:06:57: Und haben das weitergegeben an die Menschen.
00:06:59: Es waren gelehrte Leute, die das so in ihrer Freizeit gemacht haben.
00:07:04: Sehr angesehene Menschen.
00:07:07: Und Jesus ist jetzt bei einem von ihnen zu Gast.
00:07:10: Weil, da hat sich also rumgesprochen, hier gibt es dieses prophetische Nachwuchstalent namens Hiroshua, Jesus und der Pharisäer will den kennenlernen und lädt ihn also ein.
00:07:23: und dann ist es dann immer so, dass die Männer die Lagen zu Tisch, mit dem Kopf in die Mitte, Füße nach außen und in dem Raum, wo die Männer aßen, da hatten die Frauen keinen Zutritt.
00:07:36: Das war streng getrennt.
00:07:38: Die Frauen waren in der Küche, das war damals so, hat sich damals auch niemand so dran gestört.
00:07:46: Und da sind die dann also so zusammen.
00:07:49: Und plötzlich betritt eine Frau diesen Männerraum.
00:07:58: Das ist wirklich seltsam.
00:08:02: Das müssen sich die Leute noch Jahrzehnte später erzählt haben.
00:08:06: Denn was tat diese Frau?
00:08:08: Sie weinte ganz stark.
00:08:12: Es wird erzählt, sie weint ganz stark.
00:08:14: Sie benetzt die Füße von Jesus mit ihren Tränen, also so von hinten.
00:08:21: Und dann trocknet sie sie mit ihren Haaren ab.
00:08:27: Und das musst du wissen, wenn im alten Orient, und das ist heute im Orient auch noch so, wenn Frauen da ihre Haare aufmachen, das machen die eigentlich nur bei Sexualität.
00:08:38: Das ist ein hochirotischer Akt.
00:08:41: Und dann nimmt sie auch noch... Salböl und da steht das griechische Wort alabastron, also aus einem alabastergefäß, das war unglaublich teuer in der damaligen Zeit, so was konnte sich in israel normalerweise gar keiner leisten, eher so Frauen wie Cleopatra, die konnten sich an alabastron leisten.
00:09:01: Also es muss sich vermutlich nehmen wir so an, um eine Edelprostituierte gehandelt haben, weil es wird ja gesagt, sie sei eine Sünderin gewesen.
00:09:12: Und Sünderin, das waren Menschen, die Berufe hatten, die mit der Tora nicht vereinbar waren, mit den fünf Büchern Mose.
00:09:22: Und weil sie dieses teure Salbölgefäß hat, können wir annehmen.
00:09:26: Es handelte sich um eine Edelprostituierte.
00:09:29: Das waren Frauen, mit denen man hochgradig gute kulturelle Gespräche führen konnte, sehr gebildete Frauen und die gleichzeitig auch anboten ein erotisches Abenteuer mit ihnen zu erleben.
00:09:43: Die nimmt also dieses Alabastron und arbeitet sich also zum Kopf von Jesus vor und gießt dieses teure Salböder auf seinen Kopf.
00:09:55: und also unglaublich.
00:09:59: unglaublich, was da passiert ist.
00:10:03: Und natürlich wird der Pharisäer unruhig.
00:10:07: Das ist schöllig in Ordnung.
00:10:10: Es wäre jetzt seltsam, wenn er es nicht werden würde.
00:10:14: Er wird unruhig und denkt sich so, Mensch, wenn dieser Jesus jetzt der Messias wäre, dann wird er doch wissen, was das für eine Frau ist.
00:10:27: So, Jesus merkt das.
00:10:29: Und sagt ihm Simon, jetzt spricht er ihn zum ersten Mal mit Namen an, pass mal auf.
00:10:36: Also ich erzähl dir jetzt mal eine Geschichte.
00:10:42: Ein Geldverleier, das war damals so ein Beruf aus dem Rotlichten, da ging man eigentlich nur hin, wenn man total verzweifelt war und das waren echt fiese Typen.
00:10:53: Ein Geldverleier hatte zwei Schulden, da eine schuldete ihm Fünfhundert Euro, der andere fünftausend.
00:11:01: Also der eine ganz wenig, der andere ganz viel.
00:11:04: Und beide konnten es nicht bezahlen.
00:11:06: So.
00:11:07: Jetzt sagt der Geldverleier, dann erlasse ich halt beiden die Schulden.
00:11:11: Das haben Geldverleier sonst nie gemacht, sonst würden sie ja ihren Beruf nicht ausüben können, aber nun der hat es gemacht.
00:11:20: Und dann fragt Jesus, den Simon, Simon, wer von beiden meinst du, wird dankbarer sein?
00:11:28: Und dann sagt Simon natürlich, ja der, der mir Schulden erlassen bekommen hat.
00:11:32: Jetzt sag ich dir mal, sagt Jesus zu Simon, jetzt sag ich dir mal, guck mal diese Frau an.
00:11:38: Also, als ich zu dir kam, hast du mich nicht geküsst, hast mir nicht die Füße gewaschen und hast auch nicht meinen Kopf mit Seilböhe gesalbt.
00:11:51: Aber diese Frau, die hat also nicht aufgehört, meine Füße zu küssen, sie mit ihren Tränen zu benetzen.
00:11:59: Du hast sie nicht mal gewaschen, meine Füße.
00:12:02: Und hat dieses Salböl auf meinen Kopf gegossen.
00:12:07: Simon, guck mal.
00:12:09: Dieser Frau sind viele Sünden vergeben worden.
00:12:14: Das kannst du daran sehen, dass sie viel liebt.
00:12:18: Wer aber wenig ... Sünden vergeben bekommen hat, der liebt auch nur wenig.
00:12:25: Und darum geht es bei uns in unserem evangelischen Glauben.
00:12:30: Gott wendet sich uns zu in Vergebung.
00:12:34: Und Gott zieht auf das Kleine, das Schwache, das Kranke, das Verachtete und bringt es zu Ehren, in ganzer Liebe.
00:12:47: Das sehe ich auf den Bildern von Andrea-Manor Dulkis ausgerückt.
00:12:51: Einmal in diesem Bild mit den Leuten auf der Linken und auf der rechten Seite den beiden Figuren.
00:12:58: In meiner Lesart hat Jesus und die Sünderin oder Jesus und die Samaritanerin oder Jesus und der geheilte Blinde oder Jesus und der geheilte gelehmte so viele Geschichten.
00:13:14: Und ich sehe es auch in den anderen Bildern von Andrea-Manor Dullkies.
00:13:20: Sie hat ja eine schwierige Zeit durchgemacht und ihre Bilder sind voller Kraft und voller Leben und ganz bunt und mit viel Liebe gemalt.
00:13:29: Und für mich ist das total ermutigend auf dem Weg der Seelsorge, wenn ich mit Menschen zu tun habe, denen es schlecht geht, zu wissen, dass es wirklich möglich im Leiden, ja... in meiner Sprache Gottes Kraft, den heiligen Geist zu finden und so das Licht zu sehen.
00:13:57: Und da freue ich mich riesig drüber.
00:14:00: Und wenn du magst, kannst du die Bilder von Andrea Manor-Dolkis.
00:14:04: ab dem ersten Februar, zehn Uhr im Gottesdienst eröffnen wir die Ausstellung.
00:14:10: Kannst du sie bis Gründonnerstag, Büroöffnungszeiten unserer Kirche, die ich in die Show Notes schreibe und dann kannst du da gerne hingehen und dir diese Bilder angucken.
00:14:27: Und das ist, was ich für dich hoffe und hoffe, dass du das auch erleben kannst, nämlich, dass Gottes Kraft sich auch in deiner Schwachheit vollendet.
00:14:38: Letztes Wort dazu.
00:14:42: Wir denken mit dem Tod ist alles vorbei.
00:14:45: Und Gott sagt, aah, umgekehrt, mit dem Tod beginnt ein Leben, das du dir gar nicht vorstellen kannst.
00:14:54: Das war Geh wie Gott Suche.
00:14:56: Auf der Suche nach Gott in der Bibel und in der Welt.
00:15:01: Schön, dass du zugehört hast.
00:15:03: Bis zum nächsten Mal.
00:15:04: Tschüss.